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Ein Schriftsteller in Kalifornien
Postdatum: Mi Jul 26 2017, 13:26

Es geht um ein Treffen mit einem berühmten Schriftsteller, der in Kalifornien lebte. Viel Spaß beim Lesen! :)
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Ein Schriftsteller in Kalifornien


Aus der Ferne ertönte Hufgeklapper. Es war so leise, dass es mehr als dumpfes Vibrieren zu vernehmen war, doch dann wurden die Takte deutlicher und das Pferd ging aus einem stürmischen Galopp in den Trab über. Noch verbarg es sich hinter der nächsten Biegung und in Gedanken malte ich mir aus, wer es wohl sein mochte, der auf diesem schmalen Trampelpfad so einen wilden Ritt wagte. Ich stellte mir ein schlankes Rennpferd vor, unter dessen braunem, nassgeschwitzten Fell sich die Muskeln abzeichneten. Auf dem Rücken des Pferdes sah ich einen Cowboy, der lässig den Hut schwenkte und schließlich in einem langsameren Tempo an mir vorbei ritt.
Das Hufgetrampel verlangsamte sich tatsächlich und ein Schnauben war zu hören. Eine lachende Stimme, das Geräusch, wenn der Hals des Tieres getätschelt wird – und dann veränderte sich das Bild, was sich meine Ohren bereits so schön ausgemalt hatten. Mit dem Pferd hatte ich allerdings Recht behalten; es sah wirklich so aus, als wäre es dazu gemacht, meilenweit über Steppen zu galoppieren. Die Farbe des Fells war eine Mischung aus schwarz und dunkelbraun und auf der Stirn leuchtete eine schmale Blesse, neben der die wachsamen Augen des Tieres lagen.
Ich ließ den Blick über den schmalen Pferdekopf schweifen und betrachtete den Reiter. Er ließ die Zügel locker, woraufhin das Tier den Kopf streckte und mit einem Schütteln eine Fliege verscheuchte. Die Hand des Mannes lag immer noch auf dem Hals und strich über das nassgeschwitzte Fell. Er saß leicht vorgebeugt da und starrte mich für einen Moment einfach nur an. Ich starrte zurück.
Wie ein Professor ein Buch studiert, studierte ich nun sein Gesicht. Es hatte etwas an sich, was einem im Gedächtnis bleibt, doch ich kam nicht drauf, was es war. Vielleicht sind es die Augen, dachte ich. Ja, es mussten die Augen sein, die äußerlich eine Mischung aus braun und grün hatten, doch dahinter steckte die Seele. Es war eine Seele, die an dem Tag damals in Glen Ellen, Kalifornien, nicht ernst sein wollte und während ich nun diesen Menschen studierte, breitete sich ein warmes Lächeln in seinem Gesicht aus.
„Sieh an, ist es also wieder so weit“, sagte er feststellend, drückte die Fersen leicht in die Flanke des Pferdes und ritt die letzten Schritte zu mir herüber. Das Pferd blieb stehen und gab mir mit der Nase einen kräftigen Schubs.
„Jack London“, sagte ich genauso feststellend, doch ich konnte nicht verhindern, dass sich ein ehrfürchtiger Unterton in meine Stimme schlich.
„Cass McRyan“, Jack grinste und ahmte meinen Tonfall nach.
„Es ist schön, dich wiederzusehen“, verlegen deutete ich auf die Eichen, die hier so zahlreich wuchsen. „Und es ist schön, wieder in Glen Ellen zu sein, ich war viel zu lange in der Stadt. Hier bleibt die Zeit stehen und nichts verändert sich, das ist einfach nur wunderbar! San Franzisco hat sich so sehr verändert und mittlerweile kann ich nur noch hier aufatmen.“
„Das kann ich verstehen“, Jack nickte mitfühlend. „Du musst nachher unbedingt auf die Beauty Ranch schauen, es hat sich sehr vieles verändert. Ja, ja, die Zeiten wandeln sich, wir müssen unbedingt Neuigkeiten austauschen! Sag mir, was studierst du eigentlich in Frisco?“
„Das ist eine lange Geschichte“, sagte ich seufzend.
„Ich hab auch lange Geschichten“, sagte Jack belustigt.
„Ich hab sie alle gelesen“, gab ich zurück.
„Wirklich? Ich bin auch ein großer Fan von mir!“, Jack lachte. „Also wie gesagt: Das Angebot steht. Charmian wird sich riesig freuen, wenn sie dich wiedersieht.“ Er beugte sich dich zu mir herunter und sagte leise: „Sie erwartet ein Kind. Das heißt, ich werde zum dritten Mal Vater!“
Jack London strahlte über das ganze Gesicht, als er das sagte.
„Gratuliere!“, rief ich und freute mich mit ihm mit.
„Also, bis heute Nachmittag“, er streckte mir die Hand entgegen und erwiderte den Händedruck. „Bye!“

Am Nachmittag ging ich zu Fuß den Weg zur Beauty Ranch entlang. Meine Eltern hatten in Glen Ellen zwar selber Pferde, aber meistens genoss ich es, auf eigenen Füßen zu stehen. An diesem Tag schien die Sonne von einem kalifornienblauen Himmel und die Vögel zirpten in den Bäumen. Es war eine vertraute Idylle, die ich schon als Kind gekannt hatte. Doch erst seit dem ich in San Francisco ein Jahr studiert hatte, sah ich meine Umgebung mit anderen Augen. Ich bog den Weg zur Beauty Ranch ab und sah schon von weitem den gezähmten Wolf, den Jack auch Wolf nannte. Zuerst schlug Wolf Alarm, bis eine Frauenstimme ihn zurrechtwies. Plötzlich war es wieder ruhig und aus der Ranch kam mir Charmian entgegen.
„Cass!“, rief sie fröhlich und umarmte mich. „Jack hat erzählt, dass du kommst. Komm erst mal auf die Veranda, da ist es schön schattig.“
Wir gingen zur Beauty Ranch hinüber, die ihren Namen alle Ehre machte, denn genau das war Jacks Zuhause: Es war wunderschön. Es war eines dieser Häuser, in denen man sofort einziehen möchte, um sich für immer in diesem Paradies niederzulassen. Charmian erzählte stolz, dass sie ein Kind erwartete und brachte mich auch sonst auf den neusten Stand.
„Jack schreibt den ganzen Tag“, sagte sie etwas wehmütig. „Briefe von seinen Bewundern, Büchern, Kurzgeschichten…“
„Das klingt ja so, als hätte er nicht so viel Zeit für dich“, meinte ich zögernd.
Charmian schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein, er schreibt zwar viel, aber er ist immer für mich da. Und darüber bin ich sehr glücklich.“
„Schreibt er jetzt auch wieder?“
Charmian nickte. „Ich glaub schon. Vorhin war er noch im Schweinestall. Die Schweine haben Ferkel gekriegt, die sind so niedlich! Aber wenn du Jack suchst, der ist in seinem „Wolfshouse“. Sag ihm doch bitte, dass das Mittagessen gleich fertig ist.“
„In Ordnung“, ich nickte und machte mich auf dem Weg zu Jacks Hütte, die neben der Ranch lag. Hier werden all seine Bücher geschrieben, die Amerika so heißhungrig verschlingt. Ich klopfte an und von drinnen ertönte ein „Herein!“.
„Hallo, Jack!“, ich streckte neugierig den Kopf durch die Tür und spähte auf die Schreibmaschine und einen Stapel Papiere.
Obwohl in ganze Glen Ellen ein unbeschreiblicher Frieden hing, war dies hier noch mal ein ganz besonderer Ort. Ich sog den Anblick in mir auf, wie ein trockener Schwamm das Wasser. Aus dem Stapel Papier drangen die Stimmen von Wolf Larsen, Elam Harnish und den Goldgräbern und von irgendwoher erklang das Heulen eines Wolfrudels. Es war Jack Londons Welt, die hier auf dem Papier Form und Gestalt annahm.
Etwas in mir wollte zum Schreibtisch stürzen, einen Stift in die Hand nehmen und auf das Papier einen ebenso schöne Geschichte zustande bringen, wie Jack London es scheinbar so leichtfertig tat. Plötzlich konnte ich nicht mehr an mich halten, war mit wenigen Schritten beim Schreibtisch und beugte mich über die vielen Blätter Papier. Meine Hand klammerte sich an dem schweren Holz fest, während die Augen über die Zeilen glitten. Mein Herz pochte so heftig, als ob es zerspringen wollte und die Hände zitterten leicht.
„Cass?“, Jacks Stimme holte mich wieder zurück.
Ich atmete tief durch, nahm eine aufrechte Haltung und sah meinen Gastgeber entschuldigend an. „Tut mir leid“, meinte ich kleinlaut.
„Was denn?“, Jack lehnte sich in seinem Stuhl zurück und spielte mit dem Stift in seiner Hand.
„Das ich hier so reingeplatzt bin“, sagte ich leise. In Gedanken sagte ich mir, dass ich ja nichts Verbotenes getan habe.
„Macht doch nichts“, Jack zuckte mit den Schultern, unterschrieb einen Brief und steckte ihn in einen Umschlag. Sorgfältig klebte er ihn zu, schrieb eine Adresse auf und legte ihn auf einen anderen Stapel.
„Ist das nicht nett? Alle wollen mir schreiben und ich komm kaum noch hinterher, so viele Briefe habe ich noch nie bekommen! Schon unglaublich, wie schnell sich das plötzlich geändert hat.“
„Jack?“
„Hm?“, er sah vom seinem Schreibtisch auf und sah mir zum ersten Mal, seit ich in sein Wolfshouse gestürmt bin, in die Augen.
„Wie machst du das?“, platzte es aus mir heraus. „Wie schaffst du es, all diese wunderschönen Geschichten zu schreiben? Warum bist du so ein genialer Schriftsteller?“
Ich verstummte in meinem Redeschwall und errötete.
Jack wirkte auch kurz verlegen und suchte dann nach einer Antwort. Schließlich meint er: „Die Geschichten sind alle da. Man muss sie nur aufschreiben.“
Ich überlegte, ob das wirklich eine Antwort auf meine Frage war. Doch dann beschloss ich, nicht weiter darauf einzugehen. Ich umrundete den Schreibtisch, bis ich Jack gegenüber stand.
„Ich will Schriftsteller werden“, sagte ich mit fester Stimme.
Er hob überrascht eine Augenbraue.
„Ich hoffe du weißt, worauf du dich einlässt?“
„Ja“, ich nickte bekräftigend. „Ich… will auch so gut sein wie du.“
Jack beugte sich vor und sagte sanft, aber ernst: „Cass. Du solltest deine eigenen Geschichten schreiben, nicht meine. Die Leser wollen meine Geschichten von mir hören, und deine von dir.“
„Ich habe auch nicht gemeint, dass ich einen zweiten Kid Bellew, Burning Daylight oder Wolf Larsen erschaffen will“, erklärte ich. „Nein, ich will einfach nur, dass Amerika meine Bücher auch gerne liest.“
Jack lächelte anerkennend. „Dann habe ich dich wohl falsch verstanden“, meinte er. „Das Leben eines Schriftstellers ist nicht einfach und ich jammere auch oft genug darüber. Aber trotzdem gibt es für mich nichts Schöneres.“
„Ich habe mein Studium in Frisco abgebrochen. Es ist mein größter Traum, auch ein Schriftsteller zu sein“, gedankenverloren starrte ich auf ein Buch, dass frischgedruckt auf dem Tisch lag. Es war himmelblau und trug den Titel „Burning Daylight“.
Jack deutete mit dem Finger darauf: "Wenn dein Buch eines Tages neben dem hier liegen wird, dann ist es weder schlechter noch besser als meins. Burning Daylight ist meins, und dein Buch ist deins und das ist gut so."
Jack lächelte, erhob sich plötzlich und nickte zur Tür. „Meine liebe Charmian wird bestimmt schon warten.“
Ich folgte ihm nach draußen und wartete, als er sich umdrehte, um die des Wolfshouse hinter sich zu zuziehen. Schließlich wandte er sich wieder mir zu und streckte mir, wie vorhin auf dem Pferd, die Hand entgegen. Verwundert ergriff ich sie und erwiderte den warmen Händedruck. Die grünbraunen Augen blitzten unternehmungslustig unter den dichten Augenbrauen hervor, als er sagte: „Willkommen bei den Schriftsteller.“
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Silberstern
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